Samstag, 20. Oktober 2018

Soziale Eingliederung durch Arbeit


CSU-Kreistagsfraktion besichtigt Neubau der Jura-Werkstätten in Amberg

Die CSU-Kreistagsfraktion um Fraktionssprecher Stefan Braun (5. v. links) und stellv. Landrat Hans Kummert (6. v. rechts) informierte sich bei Geschäftsführer Bernhard Albrecht (1. v. rechts) vor Ort über den modernen Neubau der Jura-Werkstätten in Amberg.

Arbeit als zentraler Bereich der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben:

Die Jura-Werkstätten in Amberg leisten seit knapp 50 Jahren einen wichtigen Beitrag zu einem offenen, inklusiven Arbeitsmarkt und einer beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung. Nach vierjähriger Planungs- und Bauzeit sind die Werkstätten im Frühjahr in ihr neu errichtetes Betriebsgebäude in der Raiffeisenstraße eingezogen. Die CSU-Kreistagsfraktion Amberg-Sulzbach machte sich nun im Rahmen ihrer jüngsten Fraktionssitzung vor Ort ein Bild von dem modernen Neubau, wobei auch Themen wie die Chancen und Herausforderungen der Inklusion, das Angebotsspektrum des Betriebs und die große Bedeutung sozialer Einrichtungen im Landkreis zur Sprache kamen.

„Unser gesetzlicher Auftrag ist es, die Leistungs- und Erwerbsfähigkeit von Menschen mit Behinderungen zu entwickeln und dadurch ihre Beschäftigung zu ermöglichen“, erklärt Bernhard Albrecht, Geschäftsführer der Jura-Werkstätten Amberg-Sulzbach e. V. zu Beginn der Führung.

„Oberstes Ziel ist die Förderung der Selbstständigkeit in verschiedenen Lebensbereichen. Dies wollen wir dadurch erreichen, dass wir Menschen mit geistiger Behinderung oder psychischer Erkrankung berufliche Bildung und arbeitsintegratives Lernen anhand realer Arbeitsprozesse bieten.“

Hochmodernen Neubau in Betrieb genommen

Aufgrund der positiven Entwicklung der Jura-Werkstätten wurde es 2014 notwendig, vom bisherigen Betriebsgebäude, das seit 1977 bestand, in einen modernen, auf den erhöhten Raumbedarf zuge-schnittenen Neubau umzuziehen. Im Rahmen des u. a. durch das Zentrum Bayern Familie und Soziales und den Bezirk Oberpfalz geförderten Neubauprojekts wurden für eine Bausumme von insgesamt knapp 21 Millionen Euro auf einer Fläche von 8800 m² eine Werkstatt inklusive Förderstätte und ein betriebseigener Fahrdienst von über 48 regionalen Firmen geschaffen. Seit April 2018 bietet diese neue, in unmittelbarer Nähe zum alten Gebäude gelegene Betriebsstätte Platz für 355 Personen mit und ohne Handicap, die überwiegend aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach stammen. 

Vielfältige Beschäftigungsfelder für eine passgenaue Förderung

„Durch den Neubau können wir unser Leistungsangebot noch besser verwirklichen und unsere individuellen Fördermöglichkeiten ausbauen“, so Albrecht. Zu diesem breit gefächerten Leistungsspektrum gehören in der Werkstatt die Arbeitsangebote Metall- und Holzbearbeitung, Montage und Verpackung, Küche inklusive Catering, Garten- und Landschaftsbau sowie Logistik und Büroservice. „Die Arbeitsplätze in den Jura-Werkstätten orientieren sich daran, wie die Menschen sind und welche eigenen Vorstellungen sie haben. Durch die passgenauen Fördermöglichkeiten können dabei die individuellen Fertigkeiten und verschiedenen Beeinträchtigungen berücksichtigt und somit die Kompetenzen der Beschäftigten optimal gefördert werden“, hebt Fraktionssprecher Stefan Braun die Vorteile der neuen Betriebsstätte hervor.

Berufsbildung in der „Lehrwerkstatt“ und Förderstätte für Menschen mit Schwerstbehinderung

Auch der Berufsbildungsbereich wird dabei abgedeckt: In der „Lehrwerkstatt“ werden in zwei Jahren zum einen grundlegende Fertigkeiten und Kenntnisse über Arbeitsabläufe, Werkstoffe und Werkzeuge vermittelt, zum anderen gibt es Module zur persönlichen und sozialen Weiterentwicklung, wie „Kochen und gesunde Ernährung“ oder „Verkehrssicherheit und Mobilitätstraining“. Weiter findet auch eine Schulung von Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen statt. Für Erwachsene, die auf Grund ihrer Einschränkungen, weder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt noch in der Werkstatt für behinderte Menschen einen Arbeitsplatz bekommen, wurde zudem eine spezielle Förderstätte integriert. „Zielsetzung dieser Förderstätte ist es, auch den Menschen mit hohem Hilfebedarf ein erfülltes Leben in der Gemeinschaft und Teilhabe am Arbeitsprozess zu ermöglichen. Eine ausgewogene Kombination aus Aktivität und Entspannung sorgt dafür, dass für sie ein lebenswerter Alltag geschaffen wird, in dem Beschäftigung durchaus als Arbeit erlebt werden kann“, erläutert Albrecht den CSU-Kreisräten.

Partner der Wirtschaft auf Augenhöhe

Die Jura-Werkstätten bieten nicht nur flexible Betätigungsfelder für ihre Beschäftigten, sondern überzeugen auch als leistungsfähiger und marktorientierter Dienstleister, der sich mit seinem Angebot an Firmen, Industrie, Handel sowie öffentliche und private Institutionen wendet. So wurden und werden in der Werkstätte beispielsweise mechanische Schaltelemente für Siemens, Verstellschienen von Nutzfahrzeugen für Grammer und Dämmelemente für BMW produziert, auch mehrere Gemeinden des Landkreises gehören zu den Auftraggebern. „Die Kunden der Jura-Werkstätten wissen ihre Zuverlässigkeit und die hohe Qualität ihrer Produktion zu schätzen. Die Werkstätten sind dadurch zum Partner der Wirtschaft auf Augenhöhe geworden“, so Roland Strehl, Kreisrat und Kümmersbrucker Bürgermeister. Um dies dauerhaft gewährleisten zu können, sind die Jura-Werkstätten mit einem kleinen bis mittleren Industriebetrieb vergleichbar. Neben den Beschäftigten mit Behinderung arbeiten dort knapp 200 Angestellte, hauptsächlich aus technischen, pädagogischen und kaufmännischen Berufsrichtungen. Zu der Werkstätte gehört ein leistungsstarkes Warenwirtschaftssystem mit umfassendem Lager, 80 Prozent der Beschäftigten werden von 50 Fahrern in 35 selbst gewarteten Bussen und drei fremdvergebenen Großbuslinien täglich aus dem ganzen Landkreis zur Arbeit und anschließend wieder nach Hause gebracht. Inklusion wird bei den Jura-Werkstätten auch in der innerbetrieblichen Organisationsstruktur großgeschrieben, so haben die Beschäftigten mit Behinderung mit dem Werkstattrat eine eigene Interessenvertretung, durch die sie Anliegen einbringen und mitbestimmen können. 

Inklusion als zentrale gesellschaftliche Aufgabe

„Die Jura-Werkstätten leisten durch die individuellen Arbeits- und Fördermöglichkeiten, die gerade auch jungen Menschen mit Behinderung in der Einrichtung geboten werden, wertvolle soziale Eingliederungsarbeit. Durch Außenarbeitsplätze, Praktika und Vermittlungen in allgemeine Betriebe sind sie zudem kompetenter Brückenbauer in die Arbeitswelt der Menschen ohne Behinderung,“ unterstreicht Kreisrat Michael Mertel, der Mitglied im Jugendhilfeausschuss des Kreistags ist, die wichtige integrative Funktion der Jura-Werkstätten. „Die Jura-Werkstätten tragen dazu bei, behinderte Menschen aus unserer Umgebung bei dem Bemühen zu unterstützen, ihr Leben weitgehend selbständig zu gestalten. Dafür danke ich der Einrichtung im Namen der CSU-Kreistagsfraktion und wünsche ihr stets volle Auftragsbücher“ so Fraktionssprecher Stefan Braun abschließend.


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